10 Jahre Händel Welfenschloss

Tourismus Hann. Münden

Die Internationalen Händel-Festspiele Göttingen sind am 4. Juni erneut im Rittersaal im Welfenschloss in Hann. Münden zu Gast. Möglich macht dies eine bereits über zehn Jahre andauernde Kooperation mit dem Mündenener Kulturring. in göttingen sprach mit seinem Vorsitzenden, Franz von Luckwald, und dem Leiter der Internationalen Händel-Festspiele Göttingen, Tobias Wolff, über die erfolgreiche Zusammenarbeit.


Herr von Luckwald, wie kam es zur Kooperation mit den Internationalen Händel-Festspielen Göttingen?
V. L.: Die Händel-Festspiele beschlossen vor 10 Jahren, dass Händel nicht nur in Göttingen zu hören und zu sehen sein sollte, sondern auch in der Region. Wir begriffen sofort, welche Möglichkeiten darin steckten, und boten uns als Kooperationspartner an. Uns war klar: Wir können mit einem solchen Konzert eine Qualität nach Hann. Münden holen, die wir uns bei unseren sonstigen Veranstaltungen finanziell nicht leisten können.

Wissen das die Hann. Mündener auch zu schätzen?
V. L.: Der Anteil der Mündener an den Besuchern variiert von Jahr zu Jahr. Dass es nicht immer nur um Kompositionen von Händel geht, hat am Anfang manchmal für Irritationen gesorgt. Mittlerweile sind aber alle daran gewöhnt, dass auch Händels Zeitgenossen aufgeführt werden oder die Brücke zu anderen Musikkulturen geschlagen wird.

Sagen Sie Herrn Wolff in der Planungsphase auch schon mal, „das brauchen wir hier nicht anzubieten, das wird bei den Mündenern nicht so gut funktionieren“?
V. L.: Nein, das machen wir nicht. Wir überlassen die Auswahl komplett den Händel-Festspielen. Denn wir sind ja in der glücklichen Lage, dass der Saal, selbst wenn etwas weniger Mündener kommen, durch andere Besucher der Festspiele gefüllt wird.

Wie suchen Sie das Programm für Hann. Münden aus, Herr Wolff?
W.: Wir suchen – wie bei anderen Veranstaltungsorten – einfach nach etwas, das zur Größe und zur Bühnensituation des Rittersaals passt. Wenn wir wüssten, was in Hann. Münden besonders gut ankommt, würden wir unsere Entscheidung natürlich gern entsprechend treffen. Leider kennen wir diese Geheimformel aber nicht (lacht). Am Ende weiß man bei keiner Veranstaltung ganz sicher, wie sich das Publikum entscheiden wird.

Was die Finanzierung der Veranstaltung Welfenschloss angeht, so erbringt der Kulturring einen gewissen finanziellen Beitrag?
V. L.: Ja, aber der Kartenverkauf läuft komplett über die Händel-Festspiele. Wir gehen als Verein also keinerlei finanzielles Risiko ein, was den Verkauf angeht.

W.: Wir sehen das Engagement des Kulturrings aber bei Weitem nicht nur auf seinen finanziellen Beitrag beschränkt. Es bedeutet für uns noch viel mehr: Der Kulturring kommuniziert das Konzert hier vor Ort viel besser, als wir das von Göttingen aus könnten. Und er kümmert sich um die Herrichtung des Saals und sogar um die Blumen, die den Künstlern überreicht werden. Es sind solche Details, die uns enorm entlasten und für die wir dankbar sind. Wir wissen selbstverständlich, dass nicht jede Spielstätte in der Region eine derartige „Rundumbetreuung“ leisten kann.

V. L.: Für uns ist das deshalb machbar, weil wir das ganze Jahr über Konzerte veranstalten. Aus dieser Routine heraus weiß jeder bei uns im Verein, was er oder sie zu tun hat.

Wie finanziert sich der Kulturring?
V. L.: Wir werden vom Landschaftsverband Südniedersachsen, dem Landkreis Göttingen und von der Stadt Hann. Münden unterstützt. Außerdem stellt uns die Stadt den Rittersaal im Welfenschloss kostenlos als Veranstaltungsort zur Verfügung. Daneben sind wir aber auch auf Spenden angewiesen. So musste etwa der Konzertflügel im Rittersaal kürzlich generalüberholt werden. Die Stadt konnte dafür aufgrund knapper Kassen kein Geld zur Verfügung stellen. Eine größere Spende einer Mündener Bürgerin hat die Generalüberholung dennoch ermöglicht und somit diesen Veranstaltungsort gerettet!

Herr Wolff, welches Konzert der Internationalen Händel-Festspiele Göttingen erwartet die Besucher in diesem Jahr in Hann. Münden?
W.: Wir haben in diesem Jahr die Reihe „FOG im Fokus“ im Programm. Mit ihr wollen wir das FestivalOrchester Göttingen (FOG) einmal besonders herausstellen. Denn seit seiner Gründung 2006 finden sich in Göttingen mit dem FOG alljährlich viele der besten Spezialisten der historischen Aufführungspraxis aus aller Welt zusammen, um Händels Musik auf höchstem Niveau zu präsentieren.

Was bringt das FOG mit ins Welfenschloss?
W.: Es  kommt in einer Besetzung mit vier Streichern und Cembalo. Im Gepäck haben die Musiker Werke von Händel, Steffani und Caldara. Passend zum diesjährigen Motto der Internationalen Händel-Festspiele Göttingen, „Herrschaftszeiten – Händel Royal“, wird der Abend unter der Überschrift „Musik für die Mächtigen“ stehen. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts lebten Musiker ja ausschließlich von der Gunst der Mäzene und waren damit abhängig von deren politischer Position und persönlichem Geschmack. Ihnen war bei  der Komposition und der Aufführung stets Rechnung zu tragen. Die aufgeführten Werke sollen einen Eindruck dieses Systems vermitteln.

V. L.: Als besonderes Event vor dem Konzert wird von uns übrigens noch eine Führung durch das Schloss angeboten. Sie beschäftigt sich mit den „herrschaftlichen“ Spuren König Georgs hier im Welfenschloss. Wir freuen uns schon jetzt auf einen sehr runden Abend und hoffen natürlich, dass das möglichst vielen Konzertbegeisterten aus Münden und Umgebung genau so geht.


Ausführliche Informationen zum Programm der Internationalen Händelfestspiele Göttingen erhalten Sie unter www.haendel-festspiele.de.

Foto: Tourismus Hann. Münden

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