Diagnose: Parkinson

Parkinson

 

Die Parkinson-Erkrankung ist weit verbreitet. Oft äußerst sie sich durch einen schlurfenden Gang, eine gebeugte Haltung oder ein starkes Zittern der Arme, der Beine oder des Kopfes. Darüber, dass es noch viele weitere Symptome gibt und welche Therapien Betroffenen helfen, ihren Alltag zu bewältigen, sprach Robin Kreide mit Universitäts-Professor Dr. Paul Lingor von der Klinik für Neurologie der Universitätsmedizin Göttingen (UMG)

Herr Professor Lingor, was können Anzeichen für eine Parkinson-Erkrankung sein?

 

Als wichtigstes Zeichen wird heute eine Einschränkung der Bewegungssteuerung gesehen, die zu einer Bewegungsarmut und Störung der Feinmotorik führt. Dies wirkt sich oft auch auf die Mimik aus. Man spricht dann vom sogenannten Maskengesicht, einem starren Gesichtsausdruck, durch den für Außenstehende oft fälschlicherweise der Eindruck von Verstimmtheit entsteht. Darunter, dass sie derart missverstanden werden, leiden die Patienten oft sehr. Häufig ist zu Beginn der Erkrankung auch ein Zittern der Arme, der Beine oder des Kopfes festzustellen. Allerdings tritt dieser sogenannte Tremor bei rund einem Viertel der Betroffenen im gesamten Verlauf der Krankheit nie auf. Bis vor einigen Jahren ging die Medizin davon aus, dass die Parkinson-Erkrankung vor allem mit auffälligen Störungen der Motorik einhergeht. Heute wissen wir, dass auch viele andere Symptome Teil der Erkrankung sein können.

 


Wann sollte ich mich auf eine Parkinson-Erkrankung hin untersuchen lassen?

 

Die eben genannten Symptome können Anzeichen für die Erkrankung sein. Man sollte sich in diesen Fällen bei einem Neurologen vorstellen. Manchmal können durch die verminderte Beweglichkeit Schmerzen auftreten, womit sich Betroffene eher bei einem Orthopäden vorstellen. Häufig wird ein Parkinson außerdem von Angststörungen oder Depressionen begleitet. Die Symptome können also durchaus unterschiedlich sein, und im Zweifelsfall sollte man sich von einem Neurologen gezielt auf eine mögliche Parkinson-Erkrankung hin untersuchen lassen.
Viele Patienten berichten auch, dass sie Jahre, bevor Symptome im Bereich der Motorik einsetzten, nicht mehr gut riechen konnten oder sehr unruhig schliefen. Wir wissen daher, dass dies frühe Anzeichen der Erkrankung sein können. Allerdings gibt es auch viele andere Gründe, weshalb Schlaf oder Geruchssinn gestört sein können.

 


Die Symptome variieren also von Patient zu Patient recht stark?

 

Bei Parkinson gilt: Jeder Patient ist ein Unikat, was die Ausprägung der Krankheit angeht. Dies hat auch Auswirkungen auf die medikamentöse Therapie. Im Moment stehen uns rund 30 Medikamente zur Verfügung. Die besten Erfolge, was die Linderung der Symptome angeht, lassen sich mit einer individuell auf den einzelnen Patienten abgestimmten Kombination meist mehrerer verschiedener Wirkstoffe erzielen. Verbunden mit einem individuellen Physiotherapie-, Ergotherapie- oder Logopädie-Programm ermöglicht diese Art der medikamentösen Therapie Betroffenen zumeist, gut im Alltag zurechtzukommen. Die eigentliche Ursache der Krankheit jedoch, nämlich das Zellsterben in bestimmten Hirnarealen, können wir heute leider noch nicht behandeln.

 


Im Parkinsonzentrum Göttingen-Kassel haben sich zwei Kliniken der UMG und die Paracelsus-Elena-Klinik Kassel zusammengeschlossen. Welche Vorteile bietet dieser Zusammenschluss für die Patientinnen und Patienten?

 

Neben einem intensiven fachlichen Austausch der Ärzte über die sehr komplexe Erkrankung bietet er die Möglichkeit, Patienten gemeinsam zu begutachten. Durch dieses Mehr-Augen-Prinzip können wir bei einem derart individuellen Krankheitsbild wie dem Parkinson die Qualität der Dia-gnose und Therapie zum Wohle des Patienten noch weiter erhöhen.

 


Sie sind leitender Oberarzt in der Klinik für Neurologie an der UMG. Dort gibt es neben einem stationären Bereich auch eine Parkinson-Ambulanz. Welche Funktion hat die ambulante Behandlung bei Parkinson generell?

 

Jeder Parkinson-Patient sollte sich regelmäßig ambulant bei seinem behandelnden niedergelassenen Neurologen vorstellen, denn die Krankheit verläuft nicht statisch. Vielmehr verändert sich der Zustand des Patienten fortwährend. Und auf jede Veränderung sollte man, zum Beispiel durch eine Änderung der medikamentösen Einstellung, reagieren. Zu uns in die Ambulanz kommen Patienten in der Regel dann, wenn sie eine zweite Meinung bezüglich der Diagnose wünschen oder wenn die medikamentöse Einstellung Schwierigkeiten bereitet.

Und selbstverständlich kommen sie auch zu uns, wenn es um komplexere Therapien geht. Das betrifft zum einen die Pumpentherapie, bei der Medikamente kontinuierlich über eine Pumpe und nicht in Tablettenform zugeführt werden. Damit lassen sich bei einer fortgeschrittenen Parkinson-Erkrankung gute Ergebnisse erzielen, weil so der Medikamentenspiegel im Körper konstant gehalten werden kann. Zum anderen betrifft dies die Tiefenhirnstimulation. Bei dieser Therapie werden dünne Elektroden im Gehirn implantiert und mit einem Schrittmacher verbunden. Früher wurde einem Patienten eine Tiefenhirnstimulation in der Regel erst im fortgeschrittenen Stadium der Krankheit empfohlen. Weil in Studien aber gezeigt werden konnte, dass sie auch bei Patienten in früheren Stadien der Erkrankung die Lebensqualität enorm erhöhen kann, setzen wir sie heute deutlich früher ein.


Welche Rolle kommt der stationären Behandlung in Ihrer Klinik zu?

 


Häufig erleben Parkinson-Patienten im Rahmen einer Infektionskrankheit, wie etwa einer Bronchitis oder einem Harnwegsinfekt, dass sich ihre Parkinson-Symptome verschlechtern. Bei einem stationären Aufenthalt können wir dann in viel rascherer Folge als dies bei einer ambulanten Therapie möglich wäre ihre Medikamentenzusammenstellung verändern und auf diese Weise schnell auf die neue Situation reagieren und den Patienten medikamentös neu einstellen. Auch in Fällen, wo die medikamentöse Einstellung über eine längere Zeit ambulant schwierig ist, kann ein stationärer Aufenthalt sinnvoll sein. Diesen verknüpfen wir dann meist mit einem intensiven Physiotherapie-, Ergotherapie- und Logopädie-Programm.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Foto: fotolia/bluraz 

Zurück