Einbruch nein danke

Kriminalhauptkommissar Norbert Esemann zeigt, wie Täter meistens vorgehen.

Rund alle drei Minuten wird irgendwo im Land eingebrochen. Darüber, wie man sich dagegen schützen kann, informiert das Präventionsteam der Polizeiinspektion Göttingen. Kriminalhauptkommissar Norbert Esemann ist gemeinsam mit seinem Kollegen Achim Loose Ansprechpartner rund um Themen der Kriminalprävention, die unter anderem auch den Einbruchschutz umfasst. Markus Hartwig sprach mit ihm.

Herr Esemann, als Mitglied im Präventionsteam werden Sie auch von Vereinen und Verbänden zu kostenlosen Vorträgen eingeladen. Welche Themen sprechen Sie an?
Der Bereich „Einbruchschutz“ nimmt einen großen Raum ein. Ich spreche aber auch Abwehrstrategien gegen Trickbetrüger oder Trickdiebe und das richtige Verhalten an der Wohnungstür, am Telefon oder am Geldautomaten an. Bei einem älteren Publikum informiere ich auch zu den berüchtigten und leider immer noch angebotenen Kaffeefahrten. Außerdem spreche ich über den Schutz vor Taschendieben.

Sie beraten auch direkt vor Ort in der Wohnung oder dem eigenen Haus?
Selbstverständlich! Nach Terminabsprache beraten wir zeitnah, kostenfrei und individuell am Wohnobjekt. Wir führen Anschlussberatungen nach erfolgten Einbruchdiebstählen durch bzw. beraten rein präventiv, wenn beispielsweise durch Einbrüche in der Nachbarschaft das eigene Sicherheitsgefühl gelitten hat. In jedem Fall wird die Immobilie vom Kellerschacht bis zur Dachluke auf etwaige Schwachstellen hin in Augenschein genommen.

Wie gehen Sie vor, wenn bereits eingebrochen wurde?
Ich schaue, wo eingebrochen worden ist. Das ist in der Regel nicht die Haustür. Denn das Risiko im Eingangsbereich entdeckt zu werden, ist viel zu hoch. Einbrecher zieht es in den meisten Fällen an die Rückseite von Häusern, in den Garten. Dort suchen sie Schwachstellen, und das sind oft Terrassen-, Balkon- und Kellertüren. Über die Jahre haben wir feststellen müssen, dass es sehr häufig diese Stellen sind, die keinen ausreichenden Einbruchschutz bieten. Zu tun haben wir es an erster Stelle mit dem lautlos arbeitenden „Hebeltäter“, der sich zu jeder Tages- und Nachtzeit mit Kuhfuß und Schraubendreher an die Arbeit macht.

Wenn Sie Schwachstellen gefunden haben, müssen Türen und Fenster dann komplett ausgetauscht werden?
Keinesfalls, die Industrie bietet Nachrüstprodukte wie zusätzliche Schlösser, Querriegel oder Stangenverschlüsse. Es gibt diverse Möglichkeiten mechanischer Art, Schwachstellen sicherer zu gestalten. Denn das Ziel ist es, das zeitliche Konzept der Täter zu stören. Einbrecher geben sich im Durchschnitt selbst nicht mehr als ein paar Minuten Zeit für den eigentlichen Einbruch. Und je stabiler eine Tür, ein Fenster gefertigt ist, desto länger dauert es, diese zu knacken. Setzt sich der Einbrecher ein Zeitfenster, das er nicht einhalten kann, lässt er vom Vorhaben ab. Denn das Entdeckungsrisiko wird mit zunehmender Zeit ja immer größer.

Welchen Rat geben Sie nach einer Inspektion?
Sehen wir, dass nachgerüstet werden sollte, empfehlen wir den Gang zu sogenannten Facherrichtern. Das sind Betriebe, die sich beim Landeskriminalamt oder den Berufsverbänden haben prüfen und zertifizieren lassen. Selbstverständlich kann jeder selbst den ausführenden Betrieb wählen.

Ich komme nach Hause und stelle fest, ich bin Opfer eines Einbruchs geworden. Wie verhalte ich mich?
Als wichtigste Regel gilt, den Tatort auf keinen Fall zu verändern, denn sonst könnten falsche Spuren gelegt bzw. echte Spuren verwischt werden. Erst muss die Polizei alles Wichtige sichern. Wenn der Einbrecher noch vor Ort ist, steht die eigene Unversehrtheit an oberster Stelle. Auf keinen Fall sollte man versuchen, den Täter selbst zu stellen oder aufzuhalten. Oberstes Gebot: Keine Konfrontation mit dem Täter.

Wir haben über Einbrecher gesprochen und darüber, wie man sie mit mechanischer Vorsorge außen vor lassen kann. Wie aber verhält es sich mit Trickdieben, Menschen also, die versuchen, sich unter einem Vorwand Zugang zur Wohnung zu verschaffen?
Diese Täter haben es zuallererst auf ältere Menschen abgesehen und rechnen mit deren Hilfsbereitschaft und Gutmütigkeit. Das wissen die Täter und das wird oft ohne Scham ausgenutzt. Wir kennen Beispiele von falschen Handwerkern, falschen Behördenvertretern, auch falschen Polizisten. Sie alle haben ein Ziel: Hineingelassen zu werden, um den Aufenthalt zum Diebstahl zu nutzen.

Ihre Beratung auf diesem Gebiet nennen Sie „verhaltensorientierte Prävention“. Welche Ratschläge geben Sie hier?
Wichtig ist, nicht zu vertrauensseelig zu sein. Diebe können auch im Blaumann oder im Anzug erscheinen und eloquent auftreten. Die vorherige telefonische oder schriftliche Ankündigung eines Besuchs ist der Regelfall. Echte Handwerker kommen grundsätzlich nicht unangekündigt. Das sollte man nicht vergessen. Niemand muss zwingend eingelassen werden.

Die Tür ist geöffnet, ein unangekündigter, scheinbar offizieller Besucher steht vor mir. Wie verhalte ich mich?
Sicher, man kann sich eine Visitenkarte geben lassen. Aber auch hier rate ich zur Vorsicht. Auch Telefonnummern können gefälscht sein und selbstverständlich bestätigt das Gegenüber am Telefon dann die Richtigkeit des Besuchs. Besser wäre es, die Nummer aus dem Telefonbuch zu nehmen oder gegebenenfalls den Vermieter zu kontaktieren. Er kann bestätigen, ob er einen Auftrag etwa zur Kontrolle der Wasserrohre o. ä. vergeben hat. Wichtig ist, die Oberhoheit über sein Wohnobjekt zu behalten.

Man sollte also auch einem Handwerker gegenüber nicht zu viel Hilfsbereitschaft an den Tag legen?
„Gut und hilfsbereit soll der Mensch sein“ – das gehört zu den Grundwerten unserer Gesellschaft. Hilfsbereitschaft muss aber auch Grenzen kennen. So wird es jeder Handwerker oder Behördenvertreter verstehen, wenn er, während seine Angaben überprüft werden, kurz vor der Tür warten muss. Es geht schlichtweg darum, ein gesundes Misstrauen an den Tag zu legen, dabei aber auch nicht jeden gleich als Übeltäter anzusehen. Darunter würde die Lebensqualität leiden. Denn die meisten Menschen, die an unsere Tür klopfen, haben eherne Absichten!

 

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Beratungstermine vermittelt die Koordinatorin des Präventionsteams, Margret Reinecke. Sie ist unter der Rufnummer 0551/491-2008 oder per E-Mail unter margret.reinecke@polizei.niedersachsen.de zu erreichen.

 

 

Foto Teaser: iStock

Foto Artikel: Markus Hartwig

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