Harnsteine behandeln

Harnsteine

 

Oft bleiben Harnsteine lange Zeit unbemerkt, um sich dann meist plötzlich mit einer äußerst schmerzhaften Kolik bemerkbar zu machen.
Darüber, wie sie behandelt werden können und wie man ihnen vorbeugen kann, sprach Robin Kreide mit Professor Dr. Hans-Werner Gottfried, dem Chefarzt der Klinik für Urologie und Kinderurologie des Evangelischen Krankenhauses Göttingen-Weende.


Herr Professor Gottfried, wie verbreitet sind Harnsteine?


Sie sind eine echte Volkskrankheit. Wobei eindeutig mehr Männer als Frauen betroffen sind. Und leider gilt: Wer einmal einen Harnstein hatte, dessen Risiko ist erhöht, wieder einen zu bekommen.


Welche Risikofaktoren gibt es?


Zum einen gibt es eine genetische Disposition für Harnsteine. Außerdem hat sich gezeigt, dass sie durch eine ungesunde Lebensweise begünstigt werden: Zu wenig Bewegung, unausgewogene Ernährung und Übergewicht sind sozusagen der Freund des Harnsteins, das wusste bereits Hildegard von Bingen.  


Welche Rolle spielt der Flüssigkeitshaushalt?


Das Thema „Flüssigkeitshaushalt“ ist sehr wichtig. Das sieht man unter anderem daran, dass in Ländern mit heißerem Klima als bei uns in Mitteleuropa, Harnsteine und die damit verbunden Beschwerden wesentlich häufiger auftreten. Der Grund: Aufgrund der Hitze ist es dort schwieriger als bei uns, ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Genug zu trinken – und damit meine ich Wasser und nicht zuckerhaltige Erfrischungsgetränke oder Kaffee – beugt Harnsteinen vor. Selbstverständlich ist es auch aus anderen Gründen gut für den Körper, ausreichend Wasser zu trinken.


Wieviel heißt „ausreichend“?


Menschen, die aufgrund einer genetischen Disposition zur Steinbildung neigen, sollten regelmäßig kontrollieren, ob sie den Tag über zwischen 1,5 und 2 Liter Urin ausscheiden. Um dies zu gewährleisten, müssen sie selbstverständlich wesentlich mehr Flüssigkeit als zwei Liter zu sich nehmen. An einem heißen Sommertag oder bei starker körperlicher Anstrengung kann das schon einmal mehr als das Doppelte sein.


Was sind die Behandlungsschritte, wenn ein Harnstein eine Kolik ausgelöst hat?


Löst der Harnstein eine Kolik aus, so suchen die Betroffenen aufgrund der mit ihr verbundenen extremen Schmerzen in aller Regel Schmerzen in aller Regel einen Arzt, meist den Hausarzt, oder gleich ein Krankenhaus auf. Der Arzt wird zuallererst ein Medikament gegen die meist heftigen Schmerzen verordnen und dann erste Untersuchungen durchführen. In jedem Fall würde ich daran anschließend einen Besuch beim Urologen anraten. Auch dann, wenn es die erste Kolik war und die Beschwerden nach der Einnahme von Schmerzmitteln wieder abgeklungen sind.
Der Urologe als Fachmann für das Thema Harnsteine wird zunächst abklären, ob die Gefahr besteht, dass es durch den Stein zu einem sogenannten Harnstau kommen kann, an dessen Ende im ungünstigsten Fall eine Schädigung der Niere oder eine Blutvergiftung durch Bakterien steht.


Zum anderen kann ein Urologe eine recht genaue Prognose dahingehend stellen, wie sich der Stein weiter entwickeln wird, auch wenn er nach der Kolik akut keine Schmerzen mehr verursacht.


Manchmal werden bei einer allgemeinen Ultraschalluntersuchung zufällig auch Nierensteine entdeckt. Was ist dann zu tun?  


Werden kleine Nierensteine bemerkt, müssen sie nicht unbedingt behandelt werden. Es muss aber unbedingt eine regelmäßige Kontrolle in der Folge sichergestellt werden. Grundvoraussetzung hierfür ist allerdings, dass die Steine keinerlei Schmerzen bereiten und auch keine Harnwegsinfekte verursachen. Auch hier empfehle ich, in jedem Fall einen Urologen aufzusuchen.


Was passiert, wenn die Schmerzen bei einer Kolik trotz Schmerzmitteln nicht wieder verschwinden?


Kleine Harnleitersteine, die Schmerzen verursachen, können von alleine mit dem Urin abgehen. Um diesen Prozess zu unterstützen, wird der Urologe, zu dem man vom Hausarzt überwiesen wird, in diesen Fällen zunächst raten, viel zu trinken und viel zu gehen. Der Volksmund spricht hier recht treffend von „saufen und laufen“, wobei hier natürlich nicht das Trinken von Alkohol gemeint ist. Zusätzlich kann dieser Prozess medikamentös unterstützt werden. Hilft dies alles nicht, muss der Stein entfernt werden.


Sie sprechen von „Entfernen“. Eine Zertrümmerung mithilfe von Stoßwellen wäre doch ebenfalls möglich?


Die Zertrümmerung war früher in der Tat eine häufig genutzte Option. Allerdings hat diese Behandlungsmethode den Nachteil, dass der Stein durch sie ja nicht völlig „zu Staub zerfällt“, sondern lediglich zerkleinert wird. Die übrig gebliebenen Fragmente müssen dann ebenfalls häufig mit der gerade beschriebenen Methode herausgespült werden. Dies kann sich über mehrere Wochen hinziehen, und man muss die Stoßwellenbehandlung unter Umständen wiederholen.


Heutzutage ist das Mittel der Wahl eindeutig die Entfernung des Steins mithilfe eines endoskopischen Eingriffs. Im letzten Jahrzehnt haben sich die endoskopischen Techniken derart weiter entwickelt, dass wir heute in unserer Klinik mit äußerst feinen Instrumenten und unterstützt von digitaler Röntgentechnik die Steine mit einem sehr kleinen und den Patienten wenig belastenden Eingriff entfernen können.


Zum Abschluss sollte der Stein im Labor dann auf seine chemische Zusammensetzung hin untersucht werden.

 

Wie Sie bereits erwähnt haben, ist es, nachdem jemand einen Stein hatte, durchaus wahrscheinlich, dass sich bei ihm im Laufe seines Lebens wieder ein solcher bildet. Wie lässt sich diesem erneuten Auftreten vorbeugen?

 

Unsere Empfehlungen zur Vorbeugung nach der Entfernung eines Steins sind immer auf den einzelnen Patienten, und das heißt am Ende auf die spezielle chemische Zusammensetzung des Steins zugeschnitten. Generell kann man aber sagen: Eine ausgewogene Mischkost, wie sie in der traditionellen mediterranen Küche üblich ist, ist gut. Und auch den Kochsalzkonsum sollte man möglichst niedrig halten. Tierische Fette sollten auf dem Speiseplan eher die Ausnahme bilden. Auch exzessiver Konsum von Milch und Milchprodukten kann die Steinbildung begünstigen.Günstig sind Getreideprodukte, vor allem Vollkornprodukte, aber auch Gemüse und Obst. Und je nachdem, aus welchen chemischen Substanzen sich der Harnstein gebildet hatte, sollte man bei ganz bestimmten Nahrungsmitteln in Zukunft zurückhaltend sein.

Ausreichende Bewegung und Flüssigkeitszufuhr können ebenfalls vorbeugend wirken. Wer ein mögliches Übergewicht abbaut, senkt das Risiko weiter. Aber Vorsicht: Extreme Abnehmkuren sind hierfür nicht zu empfehlen, denn sie können das Risiko für bestimmte Steinarten aufgrund der mit ihnen oft verbundenen einseitigen Ernährung sogar erhöhen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Foto: absoluteimages/fotolia.com

 

 

Zurück