Haydn-Oper in der Lokhalle

GSO

 

Der Chefdirigent des Göttinger Symphonie Orchesters (GSO) Christoph-Mathias Mueller sprach mit Robin Kreide über die Saison 2016/2017.

 

Herr Mueller, im Mai nächsten Jahres steht die Haydn-Oper „Orfeo ed Euridice“ auf dem Programm. Was Haydn und Oper angeht, musste ich erst einmal bei Wikipedia nachschauen ...
Das geht sicher nicht nur Ihnen so, denn Haydns Opernwerk liegt im Moment komplett brach. Seine rund zwanzig Opern wurden in den letzten Jahrzehnten kaum aufgeführt, und es gibt nur wenige Aufnahmen. Harnoncourt hat die eine oder andere eingespielt, und auch Cecilia Bartoli hat ab und zu einmal eine Arie aus einer der Opern aufgenommen. Haydn ist für mich aber ein wunderbarer Komponist, nicht nur was seine Orchesterwerke und seine Kammermusiken angeht. Auch die Opern sind ein Schatz, den es wieder neu zu entdecken gilt!


Weshalb haben Sie sich für die letzte Oper im Werk Haydns entschieden?
Zum einen wegen des Librettos, dessen Orpheus-und-Eurydike-Geschichte ja hervorragend zum diesjährigen Spielzeitmotto „Sehnsucht und Verklärung“ passt. Zum anderen ist an ihr interessant, dass sie beinahe im selben Jahr wie Mozarts „Don Giovanni“ uraufgeführt wurde. Und man hört auch deutlich, dass beide aus derselben Zeit stammen. Ich kann versprechen: Wer Mozart mag, wird daher auch Haydn mögen! Es gibt viele Parallelen.


Was unterscheidet Haydn-Opern von denen Mozarts?
Einen Unterschied gibt es zum Beispiel bei den Gesangsstimmen. Während die Arien bei Mozart immer so komponiert sind, dass sie möglichst natürlich und mühelos klingen, auch wenn sie technisch sehr anspruchsvoll sind, hört man bei Haydn durchaus, wie groß die Herausforderung ist und welche enormen Ansprüche an die sängerische Virtuosität gestellt werden. Sängerinnen und Sänger können bei Haydn also dem Publikum deutlich zeigen, was sie können (lacht).


Die beiden Sopranstimmen der Oper übernimmt Simone Kermes.
Ja, es freut mich sehr, dass sie dazu erneut zu uns nach Göttingen kommt. Und sie ist nicht der einzige Gast-Star in dieser Saison: Es kommen auch Pianist Kyrill Gerstein, der in letzter Zeit unter anderem mit den Berliner Philharmonikern und dem New York Philharmonic Orchestra aufgetreten ist.


Wie gelingt es dem GSO immer wieder, derartige Hochkaräter nach Göttingen zu holen?
Kyrill Gerstein kenne ich nun schon seit über zwanzig Jahren. Auch bei Simone Kermes gibt es eine lange Verbindung. Das ist es aber nicht alleine. Ein derartig hohes künstlerisches Niveau bei den Gästen können wir unserem Publikum trotz unseres begrenzten Budgets auch deshalb bieten, weil die musikalische und menschliche Atmosphäre für Sänger und Solisten hier eine besondere ist. So ist es mir sehr wichtig, mit dem Orchester auf die Interpretation des Solisten einzugehen, statt die Orchesterpartie einfach nur „abzuspulen“. Das spüren unsere Gäste. Wir nehmen uns in der Vorbereitung auf eine Konzert Zeit, mit ihnen gemeinsam Dinge auszuprobieren und an den Werken zu arbeiten.


Kommen wir noch einmal auf die Haydn-Oper zurück. Sie ist ja ein echtes Großprojekt.
Die Aufführung findet in der Lokhalle Göttingen statt und es werden Bilder des Malers Jochen Hein auf die Bühne und das Orchester projiziert. Aufgrund dieses hohen technischen Aufwands wird sie auch zwei Mal aufgeführt.


Ein weiteres Großprojekt in dieser Saison ist die dritte Symphonie von Mahler mit großem Chor.
Das Besondere an diesem ist nicht nur seine Größe, sondern auch die Tatsache, dass neben dem Göttinger Knabenchor erstmals auch ein Frauenchor mit Sängerinnen aus beiden Göttinger Kantoreien – der Göttinger Stadtkantorei und der Kantorei St. Jacobi – auf der Bühne stehen werden. Beide zusammenzubringen, war mir ein echtes Anliegen.


Mit der  3., 4. und 5. Symphonie und der „Großen Symphonie“ steht viel Schubert auf dem Programm.
Auch der Frühromantiker Schubert ist für mich ein Kandidat, der hervorragend zum sehr romantischen Motto der aktuellen Saison passt. Es ist immer wieder bedindruckend ,wie er zwischen Moll und Dur schwebt, zwischen den verlassensten und den verklärtesten Momenten, und wie er Dur manchmal tieftraurig und Moll dagegen geradezu beseelt einsetzt.


Die „Große Symphonie“ in C-Dur führen Sie mit dem GSO ja bereits zum zweiten Mal auf.
Das stimmt. Nachdem ich sie einige Jahre habe ruhen lassen, wollte ich mich ihr nun erneut zuwenden. Das Orchester und ich kennen uns mittlerweile so gut, dass ich wusste, dass wir an einigen Stellen genau die ein oder andere subtile interpretatorische Änderung vornehmen können, die ich über Jahre bereits im Kopf hatte. Daher reizt mich eine Neuaufführung.

 

 

 

 

 

 

 

Foto: Beisert

 

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