Souverän und sicher

Fahrsicherheit

 

Fortbildungen und moderne Assistenzsysteme helfen dabei, auch im fortgeschrittenen Alter nicht auf das eigene Auto verzichten zu müssen.

 

Ob wöchentlicher Einkauf, Restaurantbesuch oder eine Einladung bei Freunden: Ohne Mobilität geht es nicht. Und die lässt sich aus Mangel an guten Bus- und Bahnverbindungen in einer ländlichen Region wie Südniedersachsen heute immer noch am einfachsten mit dem eigenen Pkw umsetzen. Damit Autofahren bis ins hohe Alter sicher bleibt, hat die Polizeiinspektion Göttingen vor drei Jahren die Aktion „Göttinger Senioren machen mobil – sicher ans Ziel!“ ins Leben gerufen. Verantwortlich hierfür ist Polizeihauptkommissar Jörg Arnecke. Er betont: „Als Verkehrssicherheitsberater
sehe ich ältere Verkehrsteilnehmer nicht grundsätzlich anders als andere Altersgruppen. Bei Menschen jenseits der 70 gibt es zwar einige für sie besondere Risikofaktoren. Aber das trifft auch auf die 18- bis 25-Jährigen zu, weshalb wir ja auch für diese Altersgruppe spezielle Informations- und Schulungsveranstaltungen anbieten.“


Veranstaltungsreihe
Im Rahmen von „Göttinger Senioren machen mobil – sicher ans Ziel!“ werden Informationsveranstaltungen angeboten, die sich etwa mit der Wirkung von Medikamenten auf die Fahrsicherheit befassen oder das Wissen über das richtige Verhalten am Unfallort auffrischen. Bei vielen Veranstaltungen ist auch der Fahrsicherheitstrainer der Verkehrswacht Göttingen e.V., Tobias Hillman, anwesend und gibt individuelle Tipps zum Auto der Teilnehmenden. So zeigt er etwa, wie sich die Sitzposition oder die Spiegel noch besser einstellen lassen.


Individuelles Training
Nach der Teilnahme an einer der Veranstaltungen können Interessierte dank der Unterstützung durch die Verkehrswacht Göttingen e.V. dann fast kostenlos eine individuelle Trainingsstunde bei einem von sieben speziell eingewiesenen Fahrtrainern in der Region buchen. Tobias Hillman, der diese Einweisung übernommen hat, und selbst derartige Trainingsstunden durchführt, erläutert, was er Autofahrerinnen und Autofahrern dabei in entspannter Atmosphäre vermittelt: „Wir fahren zum Beispiel die von der Autofahrerin oder dem Autofahrer häufig genutzten Strecken ab. Dabei gebe ich Tipps, auf was sie oder er etwa an unübersichtlichen Stellen oder vielbefahrenen Kreuzungen besonders achten sollte. Außerdem überlegen wir gemeinsam, zu welchen Tageszeiten und auf welchen Routen sich geplante Fahrten besonders entspannt umsetzen lassen.“


Genau wie seine jungen Fahrschüler, die gerade ihren Führerschein machen, warnt Tobias Hillmann bei diesen Trainingsfahrten auch ältere Autofahrer in letzter Zeit verstärkt davor, die Geschwindigkeit der immer häufiger im Straßenbild anzutreffenden Elektrofahrräder zu unterschätzen: „Das Antriebsaggregat sorgt dafür, dass Fahrradfahrer damit in der Stadt häufig genauso schnell unterwegs sind wie ein Auto. Insbesondere beim Abbiegen an einer Kreuzung kann dies für Radfahrer auf dem Radweg gefährlich werden, weil Autofahrer deren Tempo vollkommen unterschätzen.“


Mit schuld daran sei oft auch die Tatsache, dass viele ältere Autofahrer aufgrund körperlicher Einschränkungen seltener den Kopf  bewegen, um nachzuschauen, was sich neben ihnen auf dem Fahrrad- oder Fußweg tut. Das Fatale: Dadurch, dass viele Dinge beim Autofahren automatisch, also unterbewusst ablaufen, nehmen wir oft gar nicht wahr, dass wir uns weniger umschauen. „Ich appelliere daher immer daran, den Schulterblick wieder ganz bewusst einzusetzen. Außerdem rate ich, über einen zusätzlichen Spiegel nachzudenken oder beim nächsten Auto einen elektronischen Assistenten mitzubestellen, der etwa vor Fußgängern oder Radfahrern in unübersichtlichen Bereichen neben dem Auto warnt“, sagt Hillmann.

 

Assistenzsysteme nutzen
Auch der Umgang mit bereits im Auto vorhandenen Assistenzsystemen wird geübt. So hilft Hillmann etwa dabei, dem Einparkassistenten noch mehr zu vertrauen, oder bei der Benutzung des Navigationssytems: „Richtig eingesetzt, erhöht ein Navigationssystem die Sicherheit, weil der Fahrer dann mehr Zeit hat, sich auf den Verkehr zu konzentrieren und nicht etwa durch die Frage abgelenkt ist, an welcher der nächsten Kreuzungen er abbiegen muss.“


Ein weiteres Thema in einer typischen Trainingsstunde ist das schon lange serienmäßig in Neuwagen eingebaute Antiblockiersystem ABS: „Viele Autofahrer haben noch verinnerlicht, bei Gefahr so wie früher die Stotterbremse einzusetzen. Dies erledigt aber das ABS-System automatisch. Daher gilt heute: Bremse einfach kräftig durchtreten!“, so Hillmann.


Informationen zu Veranstaltungen von „Göttinger Senioren machen mobil – sicher ans Ziel!“ gibt es beim Verkehrssicherheitsberater der Polizeiinspektion Göttingen Jörg Arnecke. Er berät auch Angehörige älterer Autofahrer, die wissen möchten, wie sie etwa ihre Eltern noch besser für das Thema Fahrsicherheit sensibilisieren können. Er ist erreichbar unter Tel. 0551 491-2308 oder per E-Mail unter joerg.arnecke@polizei.niedersachsen.de.

 

 

 

 

 

 

 

Foto: Daria Filiminova/Fotolia

 

Zurück