Wenig öffentliche WLAN-Zugänge in Göttingen

Öffentliches WLAN in Göttingen

 

Was die Verfügbarkeit öffentlicher WLAN-Netzwerke angeht, so kann Deutschland kein gutes Zeugnis ausgestellt werden: Während flächendeckende WLAN-Netze in Asien, Osteuropa aber auch Frankreich zum Alltag gehören, sind frei nutzbare Hotspots hierzulande eher die Ausnahme. Grund dafür ist nicht die fehlende Infrastruktur, sondern eine nach wie vor problematische Rechtslage. Dabei hatte die Bundesregierung schon vor Jahren Besserung versprochen.



Vereinfacht gesagt sorgt die in Deutschland geltende Störerhaftung dafür, dass jeder Anbieter eines freien WLAN-Zugangs mit zivilrechtlichen Klagen rechnen muss: Wird der Anschluss von einem Nutzer nämlich beispielsweise zur Verletzung von Urheberrechten missbraucht, landet eine teure Abmahnung früher oder später möglicherweise beim Betreiber des Netzwerks. Insbesondere dann, wenn per Filesharing Filme und Serien unter Missachtung des Urheberrechts ausgetauscht werden, ruft dies regelmäßig die Rechteinhaber, also meist große Medienunternehmen, auf den Plan. Hierzu wird automatisiert nach den sogenannten IP-Adressen gefahndet, von denen aus die Verstöße begangen werden − und das waren in der Vergangenheit häufig Restaurants und Cafés, die ein kostenfreies WLAN zur Verfügung stellten.


Geplante Änderungen im Telemediengesetz praxisfern

Ein bereits 2015 in den Bundestag eingebrachter Gesetzentwurf sollte an dieser für Betreiber eines öffentlichen WLANs problematischen Situation etwas ändern. Dennoch ist es insbesondere für Touristen aus aller Welt, die beliebte Innenstädte wie Göttingen besuchen, bis heute unverständlich, warum die von ihnen als selbstverständlich empfundenen Hotspots hier nicht zur Verfügung stehen.


Der durch den Bundestag in dieser Woche zu billigende Gesetzentwruf sieht vor, dass die Inhaber eines Internetanschlusses nicht mehr für Verstöße haftbar gemacht werden können, die durch Dritte ausgeübt werden. Voraussetzung dafür sollte zum einen sein, dass einfache Sicherheitsmaßnahmen ergriffen werden − worunter beispielsweise die ohnehin im Werkszustand der Router aktivierte Verschlüsselung nach WPA2-Standard fällt und entsprechende Antivirus Programme auf den Rechnern des Anbieters vorhanden sind. Aus Sicht des Nutzers derartig konfigurierter Netzwerke muss beachtet werden, dass ein derart ungeschütztes Netzwerk für ihn erhebliche Unsicherheiten bietet. Da die Datenverbindung unverschlüsselt ist, sollte auf sensible Anwendungen wie Online-Banking verzichtet werden. Im Zweifel kann eine sogenannte VPN-Verbindung für Abhilfe schaffen. Deren Einrichtung geht bei einigen Apps relativ einfach.


Ein deutlicher Haken für die Anbieter dürfte außerdem dazu führen, dass mit einer erhöhten Verbreitung von freien WLAN-Netzwerken auch künftig kaum zu rechnen ist: Der Betreiber des Netzwerks soll nämlich nach dem Willen der CDU/CSU-Fraktion sicherstellen, dass jeder Nutzer erklärt, über die Verbindung keine Rechtsverletzungen zu begehen. Technisch würde dies bedeuten, dass jeder Nutzer einen eigenen Zugangscode erhalten müsste. Eine technische Hürde, die in der Praxis technisch für kleine Betreiber von WLAN-Netzen kaum zu überwinden ist.


Das ist schade. Denn schließlich würden nicht nur Touristen von einer solchen WLAN-Infrastruktur profitieren, auch andere Anwender könnten ihren Nutzen aus einem frei verfügbaren flächendeckenden WLAN ziehen. Schließlich sind die über die Mobilfunkverträge angebotenen Flatrates für mobile Daten stark limitiert, sodass es schon nach kurzer Nutzung zu einer Drosselung kommt − genau hier könnte ein großes öffentliches WLAN Abhilfe schaffen.


Engagierte Göttingerinnen und Göttinger bauen Freifunk-Netzwerk auf


Engagierte Göttinger wollen dieses mithilfe einer sogenannten Freifunk-Initiative aufbauen. Beim Freifunk schließen sich Internetnutzer zu einem großen WLAN-Netzwerk zusammen, indem sie einen Teil ihrer Internetbandbreite drahtlos zur Verfügung stellen. Die problematische Störerhaftung wird umgangen, indem speziell eingestellte Router verwendet werden. Diese leiten den Datenstrom um − und entlassen den Freifunker dadurch aus der Haftung. Bereits mehr als 800 aktive Freifunker in Göttingen zeigen, dass diese Idee immer mehr Anhänger findet.



Handlungsbedarf besteht, denn im Moment liegt Deutschland bezogen auf die Einwohnerzahl bei WLAN-Hotspots in Europa auf dem letzten Platz. Ende 2014 konnten lediglich 936.000 Hotspots verzeichnet werden, an dieser Zahl dürfte sich seitdem wenig geändert haben. Zum Vergleich: Selbst im bevölkerungschwächeren Polen lassen sich 1,4 Millionen öffentliche WLAN-Hotspots nutzen, in Großbritannien etwa 5,6 Millionen und in Frankreich gar 13,1 Millionen − Handlungsbedarf ist also vorhanden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Foto: Gemeinfrei nach Creative Commons CCO

 

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