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Hüftschmerzen

Hüftgelenk

 

Prof. Dr. med. Frank Timo Beil leitet das EndoProthetikZentrum der Maximalversorgung der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) innerhalb der Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Plastische Chirurgie (Direktor:
Prof. Dr. Lehmann). Im Gespräch mit Robin Kreide erklärt er die Hauptursachen für Hüftschmerzen, beantwortet die Frage, ob es eine sinnvolle Prävention gibt, und erläutert, wann man über eine Operation nachdenken sollte.

 

 

Herr Prof. Beil, welche Ursachen können Hüftschmerzen haben?

Zunächst einmal muss unterschieden werden zwischen vom Hüftgelenk ausgehenden Schmerzursachen und Schmerzursachen, die außerhalb des Gelenks liegen. Vom Hüftgelenk selbst ausgehende Schmerzen können durch Gelenkverschleiß, also eine Arthrose, hervorgerufen werden. Auch eine sogenannte Hüftkopfnekrose, bei der Knochengewebe am Gelenkkopf abstirbt, ist ein möglicher Schmerzauslöser. Daneben gibt es Hüftgelenksentzündungen, die zum Beispiel bakterielle oder rheumatische Ursachen haben können.
Bei einer Schleimbeutelentzündung dagegen gehen die Schmerzen nicht vom Hüftgelenk aus. Die als ziehend oder stechend empfundenen Schmerzen treten im Bereich der sich an der Außenseite des Oberschenkelknochens befindlichen knöchernen Erhebung, dem großen Rollhügel, auf. Hier kann es zu Entzündungen kommen, wenn Sehnen an der Außenseite des Oberschenkels auf dem Knochen reiben und dabei den über dem Rollhügel liegenden Schleimbeutel reizen.
Ein Hüftschmerz kann aber auch einen Auslöser haben, der weiter von der Hüfte entfernt liegt; etwa einen gereizten Ischiasnerv, von dem aus die Schmerzen in die Hüfte und die Oberschenkel ausstrahlen.



Wie schwierig ist die Diagnose?

Wir können in vielen Fällen bereits im Erstgespräch mit dem Patienten und mithilfe einer manuellen Untersuchung die Schmerzursache finden. Bildgebende Verfahren bringen dann letzte Gewissheit. Denn eine genaue Diagnose ist bei Hüftschmerzen wichtig, da jedes Beschwerdebild andere Behandlungsschritte erfordert.

 


Was bringt Physiotherapie bei Hüftschmerzen?

Physiotherapie kann dabei helfen, dass Patientinnen und Patienten wieder mobiler werden. Viele Betroffene, die sich bei uns vorstellen, sind jedoch so stark in ihrer Bewegung eingeschränkt, dass an Physiotherapie oder Sport zunächst nicht zu denken ist. Hier muss am Anfang mit schmerz- und entzündungshemmenden Medikamenten gearbeitet werden. Außerdem gibt es Krankheitsbilder, bei denen die intensive Bewegung im Rahmen einer Physiotherapie zunächst kontraproduktiv ist. So ist etwa bei einer Schleimbeutelentzündung zunächst Schonung angesagt.
Hüftschmerzen


Ist Sport eine gute Prävention gegen Hüftschmerzen?

Bei der Hüftgelenksarthrose, für die es keinen erkennbaren Grund wie etwa eine Verletzung oder eine andere Vorerkrankung gibt, gehen wir nach heutigem Stand der Wissenschaft von einer genetischen Veranlagung als Ursache aus. Deshalb können sie mit Sport hier vermutlich nicht gezielt vorbeugen. Bewegung und Sport sind aber in fast allen anderen Fällen aus präventiver Sicht gut, weil dadurch das Hüftgelenk regelmäßig bewegt wird und sich außerdem stabilisierende Muskelstrukturen ausbilden können. Es gibt allerdings Sportarten, die mit einer erhöhten Belastung des Hüftgelenks verbunden sind. Hierzu zählen etwa Ballsportarten mit ihren plötzlichen Start- und Stoppbewegungen. Deutlich besser schneiden in diesem Punkt gelenkschonende Sportarten wie Radfahren, Nordic Walking sowie Schwimmen und Wassergymnastik ab.



Sowohl eine Hüftgelenksarthrose wie auch eine Hüftkopfnekrose können bei einem Voranschreiten den Einsatz eines neuen Hüftgelenks notwendig machen. Wann ist aus Ihrer Sicht der Zeitpunkt gekommen, an dem man über einen derartigen Eingriff nachdenken sollte?

Allgemein gesagt dann, wenn die Schmerzen nicht nur unter Bewegung, sondern auch in Ruhe und im Liegen auftreten. Bei manchen Patientinnen und Patienten ist der Zeitpunkt jedoch bereits früher gekommen. Am Ende hängt es nämlich auch vom individuellen Schmerzempfinden und den daraus resultierenden Bewegungseinschränkungen ab, wann wir zu einer Operation raten. Generell lohnt es sich jedoch, so lange wie möglich zu warten. Denn je später ich ein künstliches Hüftgelenk bekomme, umso länger kann ich es tragen, ehe es wieder ausgetauscht werden muss. Die durchschnittliche Tragezeit liegt im Moment bei 15 bei 20 Jahren.



Der Einsatz eines künstlichen Hüftgelenks galt früher als Eingriff mit einigen Herausforderungen, sowohl während und unmittelbar nach der Operation als auch auf längere Sicht. Heute ist er zu einem Standardeingriff geworden. Was hat sich geändert?

Zum einen hat die Industrie die Verträglichkeit und Haltbarkeit der Implantate entscheidend verbessert. Zum anderen haben die Operateure neue Techniken entwickelt: Heute kann der Eingriff in fast allen Fällen minimalinvasiv erfolgen, was die Zahl möglicher Komplikationen, etwa bei der Wundheilung, deutlich verringert hat. Ein ganz wichtiger Punkt war aber die Einführung einer sogenannten Mindestfallzahl. So muss eine Operateurin oder ein Operateur seit 2002 zum Beispiel mindestens 50 Knie-Prothesen pro Jahr implantiert haben, um von den gesetzlichen Krankenkassen für diesen Eingriff zugelassen zu sein. Diese Änderung hat die Zahl der Fälle, bei denen Komplikationen nach einer Prothesenoperation auftraten, innerhalb weniger Jahre mehr als halbiert.



Im November wurde der von ihnen geleitete Bereich an der UMG als EndoProthetikZentrum der Maximalversorgung zertifiziert. Deshalb ist für die hier arbeitenden sogenannten Senioroperateure sogar eine Fallzahl von 100 Implantationen pro Jahr vorgeschrieben. Welche Vorteile bringt die Zertifizierung für Ihre Patientinnen und Patienten außerdem mit sich?

Während der Operation und ebenso bei der sich daran anschließenden Versorgung der Patienten müssen bei einem EndoProthetikZentrum der Maximalversorgung extrem hohe Standards eingehalten werden. Das ist sehr sinnvoll, denn auch der Nachbehandlung kommt bei einer Hüftoperation eine entscheidende Bedeutung zu. Um den Patienten wieder zu mobilisieren, müssen Pflegerinnen und Pfleger, Physiotherapeutinnen und -therapeuten optimal aufeinander abgestimmt sein. Erst wenn die gesamte Behandlungskette stimmt, kann eine Hüftoperation maximalen Nutzen für den Patienten bringen. Genau das können wir für unsere Patienten in unserer Klinik gewährleisten und durch das Zertifikat „EndoProthetikZentrum der Maximalversorgung“ transparent machen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Foto Teaser und Artikel: Adobe Stock/stockdevil

 

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