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Wie das Ohr reift

Haarzellen des Innenohrs

„Hören können“ ist ein komplexes Geschehen. Auch wenn alle anatomischen Teile eines Ohrs angelegt sind, ist Hören nicht sofort möglich. Wie also entwickelt das Ohr seine volle Funktionsfähigkeit? Ein Göttinger Forscherteam unter Leitung des InnenOhrLabors in der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) hat mit Untersuchungen an Mäusen im Detail aufgedeckt, welche Entwicklungsschritte auf molekularer und zellulärer Ebene ablaufen, damit Hören gelingt.


Die Forschungsergebnisse erklären, auf welche Weise in der Hörschnecke die dafür wichtigen synaptischen Kontakte zwischen Haarsinneszellen und Nervenzellen (Synapsen) zu voller Funktionstüchtigkeit reifen. Erst nach dieser Reifung können die Synapsen den Schall effizient und präzise in Nervensignale übersetzen. Die Forschungsergebnisse wurden am 17. Januar 2014, in der Onlineausgabe der renommierten Fachzeitschrift „The European Molecular Biology Organization Journal“ veröffentlicht.

„Die Haarzellen unserer Hörschnecke sind zunächst Schrittmacher, die die Entwicklung des Hörsystems antreiben. Sie werden erst nach der Reifung „echte“ Sinneszellen, die Umgebungsreize in ein für unseren Körper verwertbares Signal wandeln“, sagt Prof. Dr. Tobias Moser, Senior-Autor der Publikation, Leiter des InnenOhrLabors und Sprecher des Sonderforschungsbereichs „Zelluläre Mechanismen Sensorischer Verarbeitung“. Das Ergebnis der Forschung: Bevor ein Ton wahrnehmbar wird, muss die Schallinformation, die in das Ohr eintrifft, zunächst an den synaptischen Kontakten zwischen Haarsinneszellen und Nervenzellen in der Hörschnecke in Nervensignale umgewandelt werden. Die Nervensignale werden dann bis zum Gehirn weitergeleitet. Die synaptischen Kontakte zwischen Haarsinneszellen und Nervenzellen in der Hörschnecke reifen zu Beginn des Hörens. Erst nach diesem Reifungsprozess können sie die Information des  Schalls mit einer zeitlichen Präzision von weniger als einer tausendstel Sekunde in Nervenimpulse übersetzen.

Die Erkenntnisse haben die Göttinger Forscher mit Untersuchungen an jungen Mäusen gewonnen. Bei Nagetieren beginnt das Hören erst nach der Geburt und die Reifung der Hörschnecke durchläuft dabei verschiedene Stadien. Besonders spannend sind dabei die Tage um den Beginn des Hörens. Noch während das Ohr ausreift und bevor Geräusche wie die der Mutter oder Geschwister gehört werden können, imitiert das Innenohr den Hörvorgang. Damit, so vermuten die Forscher, wird die korrekte Verschaltung und Reifung des zentralnervösen Hörsystems vorangetrieben. Erst nach Abschluss eines Reifungs- oder Trainingsprogramms werden schließlich Schallreize präzise in Nervensignale übersetzt. Das Hören beginnt.  

Foto: UMG

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